Personalauswahlverfahren

# HR-Toolkit: Glossar

1. Was muss überprüft werden?

Aufgrund ökonomischer Veränderungen und der zunehmenden globalen Vernetzung im Bereich der Wirtschaft, reicht es nicht mehr aus, potentielle Mitarbeiter nur auf Basis Ihres Lebenslaufes und diverser Zeugnisse zu beurteilen (Hard Skills). Auch Soft Skills müssen bei der Personalsuche mithilfe diverser Personalauswahlverfahren betrachtet werden. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Flexibilität
  • Innovationskraft
  • Fähigkeit eigenverantwortlich und selbstständig zu handeln
  • Überzeugungskraft
  • Charisma
  • Charakterstärke
  • Leistungsbereitschaft und Motivation

Fachliche Kompetenz & kognitive Fähigkeiten

Nur mit qualifizierten, leistungsfähigen und motivierten Mitarbeitern kann sich ein Unternehmen auf Dauer am Markt halten.

Doch was macht eigentlich einen Mitarbeiter zu einem qualifizierten Mitarbeiter? Generell gesprochen handelt es sich um jene Personen, die eine optimale Kombination von Soft- und Hard Skills mitbringen, die eine Position von Ihnen verlangt. Natürlich versuchen Personaler das Vorhandensein dieses „Skillsets“ noch vor der Einstellung zu überprüfen. Dies geschieht mit Hilfe diverser Personalauswahlverfahren. Während sich Hard Skills, wie z.B. das benötigte Fachwissen, recht leicht anhand eines Lebenslaufes und einer Probearbeit erkennen lassen, ist eine valide Überprüfung der Soft Skills wesentlich schwerer. Im Laufe der Zeit haben sich aber mehrere Personalauswahlverfahren etabliert, mit denen sich auch die sogenannten „weichen“ Faktoren relativ gut überprüfen lassen. Bei der Bewerberauswahl werden meist folgende Aspekte zur Analyse herangezogen:

  • Bewerbungsmappe mit Motivationsschreiben, Lebenslauf, Passfoto und Zeugnissen
  • Bescheinigungen über absolvierte Praktika und vorhandene Berufserfahrung (Arbeitszeugnisse)
  • Nachweise von zusätzlichen Qualifikationen (z.B. Sprachzertifikate)
  • Vorstellungsgespräch
  • Referenzen
  • Persönlichkeits-und Eignungstests
  • Assessment-Center
  • Fragebögen zur Selbsteinschätzung

Die Analyse von Lebenslauf, Bewerbungsfoto, Vorstellungsgespräch etc. kommt unabhängig von Branche und Tätigkeitsbereich zum Einsatz und ist somit fester Bestandteil des Bewerberauswahlprozesses. Bei der Anwendung weiterer Verfahren sollte man allerdings darauf achten, dass diese für die jeweilige Stelle geeignet sind. So erfordert die Besetzung eines Aussendienstmitarbeiters andere Verfahren, als die Besetzung einer Marketing Manager Position.

Assessment-Center (AC) – vielfältige Möglichkeiten

Ein bewährtes und sehr oft durchgeführtes Personalauswahlverfahren ist das Assessment-Center. Neben der Feststellung der fachlichen Qualifikation steht vor allem die Überprüfung von Soft Skills im Mittelpunkt. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Assessment-Center Typen:

KLASSISCHES ASSESSMENT-CENTER

Das „klassische“ AC ist ein Personalauswahlverfahren, bei dem die Bewerber verschiedene Aufgaben gestellt bekommen. Zum Beispiel: Erstellung und Vortrag von Präsentationen und Referaten, Teilnahme an Diskussionsrunden, Argumenationsaufgaben, Rollenspiele, etc. Besonders Fähigkeiten wie Stressresistenz und Teamfähigkeit können mit solchen Aufgaben gut überprüft werden. Das Verhalten der Bewerber wird von einem Recruiter bzw. einem Personalverantwortlichen, Psychologen und ggf. der Unternehmensführung beurteilt. Ein solches „klassiches“ AC findet normalerweise in Räumlichkeiten der Firma statt und wird häufig durch Mitarbeitergespräche und Führungen durch das Unternehmen abgerundet.

ONLINE ASSESSMENT

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Personalbeschaffungsprozessen, hat sich neben dem klassischen AC auch zunehmend die Durchführung von online oder E-Assessments durchgesetzt. Der Bewerber muss nicht extra in das Unternehmen kommen, sondern kann die geforderten Aufgaben von jedem beliebigen Ort und zu jeder Zeit erledigen. Ein online AC spart dem Bewerber und dem Unternehmen einen erheblichen Aufwand. Gleichzeitig lassen sich über diesen Weg deutlich mehr Kandidaten überprüfen. Wie der Bewerber mit einer Stressituation umgeht, lässt sich im Rahmen eines online Assessment-Centers allerdings nur bedingt beurteilen. Deswegen eignet sich dieses Verfahren hauptsächlich zur Vorqualifizierung von Bewerbern und kommt überwiegend bei Stellenausschreibungen zum Einsatz, die hohe Bewerberzahlen mit sich bringen.

Mehr Kreativität bei Personalauswahlverfahren – neuere Entwicklungen

Da die Analyse von Soft Skills im Rahmen von Personalauswahlverfahren immer mehr an Bedeutung gewinnt, haben sich in der letzten Zeit neue, zum Teil sehr kreative Ansätze entwickelt.

RECRUITAINMENT

Recruitainment ist eine relativ neue Entwicklung und stellt eine Verbindung aus Recruiting und Entertainment dar. Im Prinzip ist dieses Personalauswahlverfahren dem Online Assessment sehr ähnlich. Es handelt sich dabei ebenfalls um online zur Verfügung gestellte Tests, die allerdings eher spielerisch gestaltet sind.

SELF-ASSESSMENT

Das Self-Assessment ist ein Personalauswahlverfahren, bei dem es im Gegensatz zum herkömmlichen Assessment-Center weniger um die aktive Ermittlung der Fähigkeiten des Bewerbers geht, sondern um die Beurteilung seiner Selbsteinschätzung. Ein Self-Assessment lässt sich daher sehr gut mit einem klassischen Assessment-Center kombinieren, in dem die Bewerber Ihre eigene Leistung selbst beurteilen müssen.