Social Recruiting ist kein Wundermittel – aber immer noch nützlich

# HR-Insights

Noch vor wenigen Jahren wurden Recruitern und anderen Personalern die Möglichkeiten der Sozialen Netzwerke als “Heiliger Gral” des Recruiting verkauft. Der Boom folgte auf dem Fuße, die Budgets für Social Recruiting stiegen. Nun aber gehen die Zahlen zurück. Zu wenig ist bei der Personalsuche auf Facebook und Co. rumgekommen, zu viel Geld verlief im sozialen Sande. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Sozialen Netzwerke kein nützliches Tool mehr sind – solange Sie Ihre Erwartungen ein wenig senken. Maximilian Reichlin, Redakteur der Vergleichs- und Bewertungsplattform trusted.de, zeigt Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Wenn es um das Thema Social Recruiting geht, muss zunächst mit einigen Vorurteilen aufgeräumt werden: Nein, das Buzzword ist nicht, wie vielfach versprochen, zur rettenden Allzweckwaffe im “War for Talents” geworden. Nein, Social Recruiting ist nicht “billig” und “einfach”. Nein, das geht nicht nebenbei. Und nein, wer nicht auf den Zug aufspringt, hat personaltechnisch noch lange nicht versagt, zumindest aktuell noch nicht. Dagegen aber ja, Social Recruiting kann eine unterstützende Maßnahme sein, wenn es um die Bewerbersuche geht. Wenn Sie mit den richtigen Erwartungen an die Sache herangehen.

Noch vor einigen Jahren waren Social Recruiting und das sogenannte “Active Sourcing”, die aktive Suche nach passenden Kandidaten für eine neue Stelle, in aller Munde. Wer da nicht mitspielt, so hieß es unterschwellig, kann sich die Chance auf qualifizierte Kräfte im Grunde abschminken. Viele sprangen auf, dann kam die Ernüchterung: Personaler, so hieß es plötzlich, sind in den Sozialen Netzwerken viel aktiver, als potentielle Bewerber – die Chancen, auf Facebook, Twitter und Co. passende Bewerber zu finden viel kleiner, als zunächst angenommen. Social Recruiting wurde für tot erklärt – zu Unrecht.

Facebook und Twitter: Markenpflege ja, Bewerbersuche vielleicht

Es stimmt schon, so ergiebig, wie manch ein Recruiter sich Facebook als Quelle für potentielle neue Mitarbeiter vorgestellt hat, ist das Soziale Netzwerk nicht. Trotzdem kann es für ein Unternehmen durchaus nützlich sein, sich auf dem größten Network zu platzieren – nicht nur aus HR-Gesichtspunkten. Zwar suchen die wenigsten Mitglieder auf facebook nach Karrieremöglichkeiten, trotzdem können Sie hier dafür sorgen, bei jungen Talenten schonmal “einen Stein im Brett zu haben”. Zum Beispiel durch gelungene Markenpflege, transparente Kommunikation mit der Zielgruppe und das Teilen von spannenden und nützlichen Beiträgen.

Klingt nach Content Marketing? Ist es auch, zumindest zum Teil. Facebook mit seinen rund 2 Milliarden aktiven Mitgliedern ist die beste Plattform, um zukünftigen Kunden – und auch zukünftigen Bewerbern – einen Touchpoint zu liefern, von der Marke zu überzeugen und mit ihnen in Dialog zu treten. Dabei sollten Sie nicht ausschließlich den HR-Gedanken im Hinterkopf haben oder erwarten, dass auf Facebook gepostete Stellenanzeigen sofort massenweise Ergebnisse liefern. Gleiches gilt für Twitter: Wenn Sie nicht zuvor bereits Fans und Follower hatten, gewinnen Sie durch Jobangebote auch keine. Konzentrieren Sie sich also zunächst einmal ganz allgemein auf einen ansprechenden Online-Auftritt (nicht nur auf Facebook) und planen Sie DANN Ihre Social-Recruiting-Strategie. Das Pferd von hinten aufzuzäumen funktioniert da selten.

Active Sourcing – LinkedIn und Xing bieten sich an

Ganz anders sieht es auf Berufsnetzwerken wie LinkedIn oder dem deutschen Pendant XING aus. Diese Social Networks dienen per Definition dem Ziel, berufliche Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Ihre Kontaktaufnahme mit potentiellen Bewerbern kann hier viel direkter erfolgen. Vor allem macht auf Berufsnetzwerken auch das berüchtigte Active Sourcing Sinn: Kandidaten lassen sich nämlich gezielt anhand ihrer beruflichen Erfahrung und ihres bisherigen Lebenslaufes filtern, auswählen und direkt ansprechen. Das funktioniert schon heute immer besser: Einer aktuellen Studie der Jobbörse Monster zufolge, entscheiden sich rund 28 Prozent der Kandidaten für ein Unternehmen, das sie direkt und persönlich anspricht – 18 Prozent der Befragten wechselten sogar den Job im Zuge einer solchen Ansprache, obwohl sie überhaupt nicht auf der Suche nach einer neuen Stelle waren.

Der Unterschied zu Facebook und Konsorten besteht ganz einfach darin, dass Berufsnetzwerke den HR-Gedanken bereits im Namen tragen, während “herkömmliche” Social Networks eher zu Informations- und Unterhaltungszwecken genutzt werden. Der analoge Vergleich: Auf dem Fußballplatz oder in der Disko würden Sie als Headhunter wohl keine potentiellen Mitarbeiter rekrutieren – auf einer Berufsmesse dagegen schon eher.

Vergessen Sie die guten alten Jobbörsen nicht

So gesehen klingt Social Recruiting nach wie vor vielversprechend. Aber Vorsicht: Zwar gehen Experten davon aus, dass Soziale Netzwerke die “klassischen” Wege der Online-Jobsuche irgendwann ablösen werden – passiert ist das aber noch lange nicht. Online Jobbörsen und Karriereseiten auf Ihrer eigenen Website sollten Sie daher auf keinen Fall vernachlässigen! Noch immer suchen Arbeitnehmer vor allem über solche Anzeigen nach geeigneten Jobs. Sogar – man mag es kaum glauben – Print-Medien werden dafür noch genutzt.

Daher ist der beste Ratschlag, den man zum Thema Social Recruiting geben kann, dieser: Positionieren Sie sich früh, kümmern Sie sich um Ihren Online-Auftritt und Ihre Reichweite in Sozialen Netzwerken und seien Sie bereit, wenn der Wandel kommt. Vergessen Sie aber nicht das bisher Gelernte, nur weil der angebliche Heilsbringer vor der Tür steht. Denn das ist Social Recruiting (noch) nicht.

Über den Autor

Maximilian Reichlin ist Redakteur der Vergleichs- und Bewertungsplattform trusted.de. Das auf B2B-Dienste spezialisierte Portal hat bereits Tools und Cloud-Produkte in rund 250 Kategorien verglichen – darunter auch HR-Tools wie Bewerbermanagement Software.

# Kommentare
  1. Persoblogger Stefan Scheller
      (Juli 10, 20171:54 pm)

    Leider wurde vom Autor auch in diesem Beitrag, wie in vielen anderen im Netz, der Begriff Social Recruiting verkürzt auf Social Media Recruiting. Dabei ist Social Recruiting wesentlich mehr. Insbesondere was die Haltung der rekrutierenden Personen dabei angeht.
    Vielleicht ist ja mein Beitrag zu diesem Thema für die Leser als Ergänzung interessant:
    https://persoblogger.de/2017/07/03/social-media-recruiting-definition-bedeutung-und-best-practice-tipps/
    Viele Grüße,
    Persoblogger Stefan Scheller

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