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Das Arbeitszeugnis

Sowohl in Österreich, als auch in Deutschland, haben Arbeitnehmer beim Austritt aus einem Unternehmen das Recht auf schriftlich verfasste Arbeitszeugnisse. Dabei gelten für den Arbeitgeber klare Vorschriften. Das Arbeitszeugnis muss der Wahrheit entsprechen und dabei gegenüber dem Arbeitnehmer positive Absichten ausdrücken. Grundsätzlich ist das Arbeitszeugnis also immer sehr subjektiv, wobei keine offene Kritik eingebaut werden darf.
Dieser Anspruch kann für den Arbeitnehmer in zweierlei Hinsicht negativ sein: Einerseits kann das Arbeitszeugnis durch übertriebenes Lob unglaubwürdig wirken und andererseits kennen erfahrene Personaler die wahren Bedeutungen hinter bestimmten, vermeintlich wohlwollenden Formulierungen in Arbeitszeugnissen.

Grundlegende Formalkriterien

Alle Arbeitnehmer haben das Recht auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Es sollte immer an die Person angepasst und kein einheitliches Dokument sein, welches jeder Mitarbeiter bekommt. Dazu gehört auch, dass alle Angaben, wie z.B. persönliche Daten, Tätigkeitszeitraum etc. spezifisch auf den jeweiligen Mitarbeiter zugeschnitten sind. Eine Unterschrift und evtl. der Firmenstempel am Ende des Zeugnisses sind absolute Pflicht, während eine Schlussformel (die beispielsweise das Bedauern über den Austritt ausdrückt) kein Muss ist. Auch der Kündigungsgrund ist optional und nur dann einzubauen, wenn der Arbeitnehmer damit ausdrücklich einverstanden ist.
Die Formulierungen im Arbeitszeugnis ähneln einander meistens sehr, trotzdem können drei verschiedene Typen unterschieden werden:

1. Einfaches Arbeitszeugnis

Ein einfaches Arbeitszeugnis ist im Grunde lediglich eine Aufführung aller Tätigkeiten und Aufgaben, sowie eine Dokumentation der objektiv überprüfbaren Fakten des Arbeitsverhältnisses. Qualitative Merkmale oder subjektive Aussagen über das Arbeitsverhältnis sucht man in einem einfachen Arbeitszeugnis vergebens.

2. Qualifiziertes Arbeitszeugnis

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gibt neben allen Fakten und objektiven Merkmalen außerdem Auskunft über die Leistungen und das Verhalten des Arbeitnehmers. In ein qualifiziertes Zeugnis fließen also subjektive Bewertungen in die Aussagen mit ein.

3. Das Zwischenzeugnis

Ein sogenanntes Zwischenzeugnis wird meist dann ausgestellt, wenn eine Führungskraft ausgetauscht wird, das Arbeitsverhältnis schon sehr lange besteht, oder ein Unternehmen den Besitzer wechselt. Ob es sich um ein einfaches oder qualifiziertes Zeugnis handelt, ist Verhandlungssache und oft vom jeweiligen Ausstellungsgrund abhängig.

 

Im Arbeitszeugnis enthalten: „Codes und Noten“

Häufig möchten Unternehmen sicherstellen, dass die zukünftigen Arbeitgeber mehr über Ihre ehemaligen Mitarbeiter erfahren, als deren Bewerbungen vielleicht mitteilen. Sei es weil sie exzellente Arbeit leisten, oder eben nicht. Da bei einem Arbeitszeugnis Formulierungen immer positiv sein müssen, haben sich im Laufe der Zeit einige Phrasen entwickelt, die nicht unbedingt das aussagen, was man auf den ersten Blick vermuten würde.

Arbeitszeugnis-Code

XY arbeitete sehr genau und erledigte seine Arbeit immer ordnungsgemäß.XY zeigte keine Eigeninitiative.
XY gab einige Anregungen, die auch geprüft wurden.XY hatte nur Vorschläge, die nicht umsetzbar waren.
XY arbeitete meist nach eigener Planung.XY ignorierte Anweisungen der Führungskräfte.
XY war stets pünktlich.XY war nicht zu Überstunden bereit.
XY war tüchtig und konnte ihre/seine Meinung vertreten.XY konnte nicht mit Kritik umgehen.
XY war mit Interesse bei der Sache.XY hatte keinen Erfolg.
XY stellte die eigenen Standpunkte in selbstbewusster Art vor.XY war arrogant und anmaßend.
XY hatte gutes Einfühlungsvermögen in den Belangen anderer Kollegen.XY verbrachte mehr Zeit mit Flirten als Arbeiten.

Beurteilende Phrasen

Note 1…stets zu unserer vollsten/größten Zufriedenheit.
Note 1-2…zu unserer vollsten Zufriedenheit.
Note 2…stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
Note 3…zu unserer vollen Zufriedenheit/stets zu unserer Zufriedenheit.
Note 4…zu unserer Zufriedenheit.
Note 5…insgesamt/im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.

Musterbeispiel

Halten Sie sich beim Schreiben eines Zeugnis an folgende Gliederung. Die Länge und Ausführlichkeit der einzelnen Punkte kann dabei natürlich variieren:

  • Überschrift „Arbeitszeugnis“
  • personenbezogene Daten
  • Aufgaben und Tätigkeitsbeschreibung
  • Leistungs- und Verhaltensbeurteilung (für ein qualifiziertes Arbeitszeugnis)
  • Beendigungsgrund (nur wenn vom Arbeitnehmer erwünscht) und Schlussformel (kein Muss)
  • Unterschrift, Datum, Stempel

Dieses Muster-Arbeitszeugnis kann als Vorlage für die Zeugnisse Ihrer Mitarbeiter dienen. Passen Sie die Arbeitszeugnis-Vorlage entsprechend an den jeweiligen Arbeitnehmer an.


ARBEITSZEUGNIS
Frau Valentina Schwegler, geboren am 27. Juni 1989, wohnhaft
in 1180 Wien, Gentzgasse 14, war vom 15.10.2012 bis 1.2.2016
in unserem Unternehmen als Sales Manager (38,5h/Woche) tätig.
Ihr Tätigkeitsbereich umfasste:
- Auflistung aller Tätigkeiten und Aufgaben
- ...
Frau Schwegler zeichnete sich bei der Erfüllung dieser Aufgaben
durch großes Engagement und die notwendige Flexibilität aus.
Sie erwies sich als engagierte, sehr zuverlässige und aktive
Mitarbeiterin.
Frau Schwegler hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer
vollsten Zufriedenheit erledigt.
Wir bedanken uns bei ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen
ihr für ihren weiteren beruflichen Werdegang alles Gute.
Mit Freundlichen Grüßen
Mustermann GmbH
(Unterschrift, Datum und Stempel)