Gratis testen Gratis testen

„Hybrides Arbeiten bringt einen größeren Pool an Fachkräften“

Laut WKÖ-Wirtschaftsbarometer stellt der Fachkräftemangel für 75 % der österreichischen Betriebe aktuell die größte Herausforderung der nächsten Jahre dar. Die Konjunkturumfrage des WIFO prognostiziert, er sei sogar das größte Hemmnis für die Geschäftstätigkeit in der heimischen Wirtschaft.

Was aber sind die Gründe für den andauernden Mangel? Welche Auswirkungen wird Corona auf die Situation am Arbeitsmarkt haben? Und welchen Einfluss hat die Pandemie auf die Bedürfnisse und Wünsche von Fachkräften?

fachkräftemangel-industrie

Expert_innen-Talk mit Julia Moreno-Hasenöhrl

Wir haben mit Julia Moreno-Hasenöhrl, Referentin der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit bei der Wirtschaftskammer Österreich, über den Fachkräftemangel gesprochen. Heraus kamen wertvolle Tipps, mit denen Personalengpässen vorgebeugt werden kann.

Prescreen: Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Unternehmen bei der Rekrutierung von Fachkräften?

Julia Moreno-Hasenöhrl: Ein wesentliche Herausforderung für Unternehmen ist der regionale und fachliche Mismatch am österreichischen Arbeitsmarkt. Hinzu kommt, dass nach der Corona-Wirtschaftskrise im derzeitigen Aufschwung viele Betriebe gleichzeitig Fachkräfte suchen, weswegen die Situation am Arbeitsmarkt derzeit sehr angespannt ist. Eine konsequente Vermittlung durch das AMS, ein Ausbau von Beschäftigungsanreizen und die Aktivierung der bestehenden Arbeitslosen sind daher das Gebot der Stunde.

WUSSTEN SIE,
dass es zu einem Skill Mismatch kommt, wenn zwar grundsätzlich genügend Arbeitskräfte vorhanden wären, deren Qualifikationen aber nicht mit den bestehenden Arbeitsplätzen übereinstimmen? Sie sind also unter- oder überqualifiziert.

Durch die demographische Entwicklung wird der bestehende Fachkräftemangel weiter verschärft. Die Generation der Babyboomer (1946-1964) geht zunehmend in Pension, jetzt starten die geburtenschwächere Jahrgänge ins Arbeitsleben. Eine Prognose der Statistik Austria zeigt deutlich, was das für den Arbeitsmarkt bedeutet. Die Zahl der 20- bis 60-Jährigen soll allein zwischen 2020 und 2030 um rund 275.000 Personen zurückgehen.

Welche Branchen sind am stärksten vom Personalengpass betroffen?

Julia Moreno-Hasenöhrl: Betroffen sind de facto alle Branchen. Besonders stark ist der Fachkräftemangel derzeit in der Industrie, im Gewerbe und Handwerk, im Tourismus und der Gastronomie sowie im Transport und Verkehr. Insbesondere in einer ganzen Reihe von Handwerksbereichen, am Bau sowie in der IT-Branche und der Pflege wird händeringend gesucht.

Branchen, die die größten Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen haben

fachkräftemangel-branchenvergleich

Welche Auswirkungen hatte bzw. hat die Pandemie auf die derzeitige Situation? Inwieweit waren Unternehmen zu einem Umdenken gezwungen?

Julia Moreno-Hasenöhrl: Die Pandemie hat auf jeden Fall einen Digitalisierungs- und Flexibilisierungsschub gebracht. War aufgrund der Lockdowns phasenweise der Großteil der Beschäftigten im Homeoffice, so etabliert sich nun immer mehr die hybride Arbeitsweise (eine Mischung aus Präsenz- und Homeoffice-Tagen).

Gleichzeitig öffnet das hybride Arbeiten sowohl für Unternehmen als auch für Bewerber_innen neue Möglichkeiten: Es kann auf einen größeren Pool an Fachkräften zurückgegriffen werden bzw. Jobsuchende können ihren Suchradius erweitern.

Damit auch Unternehmen auf dem Land sowie Arbeitskräfte aus ländlichen Regionen von der Digitalisierung profitieren können und digitales Arbeiten überhaupt möglich wird, muss die im Regierungsprogramm enthaltene flächendeckende, technologieneutrale Breitband-Versorgung in ganz Österreich rasch umgesetzt werden.

Auch, wenn es fast einen Hype um hybrides Arbeiten im Bereich der „geistigen Arbeit“ gibt – viele Tätigkeiten lassen sich nicht im Homeoffice erledigen. Sie erfordern nach wie vor die Anwesenheit im Betrieb bzw. bei den Kund_innen.

Die voranschreitende Digitalisierung verändert vorwiegend die Arbeitsprozesse, die Zusammenarbeit im Unternehmen und die Infrastruktur (Einsatz künstlicher Intelligenz, Cyber Security, etc.). Gleichzeitig führt die digitale Transformationen aber auch zu einer Veränderung der Jobprofile. Bestimmte Tätigkeiten werden in Zukunft wegfallen bzw. automatisiert. Gleichzeitig entstehen aber auch viele neue in anderen Bereichen. Hier spielt die laufende Qualifizierung vom Anfang bis zum Ende des Erwerbslebens eine wichtige Rolle.

Wie können Unternehmen bestmöglich mit der derzeitigen Situation umgehen? Welche Strategien haben sich bei der Rekrutierung von Fachkräften bewährt?

Julia Moreno-Hasenöhrl: Unternehmen stellen sich auf die neue Situation ein und weiten ihre Rekrutierungskanäle und Besetzungsstrategien aus. Es reicht häufig nicht mehr, über eine Karriereseite zu inserieren. Gefordert ist eine flexible und vielfältige Rekrutierungsstrategie:Welche Personen brauche ich und wo erreiche ich diese mit welchen Botschaften am besten? Dabei kommt dem Social-Media-Recruiting und Employer Branding eine immer wichtigere Rolle zu. Gerade wenn es darum geht, auch jüngere Generation zu erreichen.

TIPP: In unserem Whitepaper zum Thema Social-Media-Recruiting erfahren Sie, auf welchen Kanälen und mit welchen Inhalten Sie Ihre Zielgruppe bestmöglich ansprechen und für sich gewinnen können.

Die Betriebe greifen auf unterschiedliche Maßnahmen zurück, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Sie bilden Lehrlinge aus, qualifizieren bestehende Mitarbeiter_innen auf- oder um, gewinnen Studienabsolvent_innen für sich, fördern Frauen und ältere Arbeitnehmer_innen mit geeigneten Maßnahmen oder rekrutieren gezielt internationale Talente. Gerade aufgrund des demographischen Wandels ist hier jede Maßnahme sinnvoll.

Ein wesentlicher Punkt ist auch die Mitarbeiter_innen-Bindung. Eine aktuelle McKinsey-Studie hat ergeben, dass in den USA über 40 % der Mitarbeiter_innenn in den nächsten drei bis sechs Monaten überlegen, ihren Job zu wechseln. Darum gilt es nicht nur Talente zu finden, sondern diese auch langfristig an das Unternehmen zu binden.

Fazit

Der Fachkräftemangel hat den Arbeitsmarkt nach wie vor fest im Griff. Wer in Zeiten der Pandemie ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte für sich gewinnen möchte, muss nicht nur seine Recruiting-Strategie anpassen, sondern auch auf die veränderten Bedürfnisse seiner Zielgruppe eingehen. Mit welchen Maßnahmen dies möglich ist, erfahren sie in unserem kostenlosen Whitepaper zum Thema Fachkräfte-Recruiting.

Mag. Julia Moreno-Hasenöhrl ist als Referentin der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit bei der Wirtschaftskammer Österreich unter anderem für die Themen Fachkräftesicherung, New Work und qualifizierte Zuwanderung zuständig. Außerdem leitet sie das Erfolgsprogamm „Mentoring für MigrantInnen“.

WHITEPAPER

Fachkräfte-Recruiting

Holen Sie sich die neuesten Tipps zum idealen Bewerbungsprozess für Fachkräfte und erfahren Sie, über welche Plattformen und Kanäle Sie Ihre Zielgruppe am besten erreichen. 

JETZT DOWNLOADEN

Was Sie auch interessieren könnte

PUR-Studie 2022: Prescreen ist E-Recruiting-Champion
PUR-Studie 2022: Prescreen ist E-Recruiting-Champion

Die Bewerbermanagement-Software Prescreen ist 2022 E-Recruiting-Champion und setzt sich gegen mehr als 80 Mitbewerber durch. Recruiting braucht intuitive Lösungen Kaum eine Personalabteilung kommt heute noch ohne die Unterstützung digitaler ...

„Hybrides Arbeiten bringt einen größeren Pool an Fachkräften“ fachkräfte-recruiting
„Hybrides Arbeiten bringt einen größeren Pool an Fachkräften“

Laut WKÖ-Wirtschaftsbarometer stellt der Fachkräftemangel für 75 % der österreichischen Betriebe aktuell die größte Herausforderung der nächsten Jahre dar. Die Konjunkturumfrage des WIFO prognostiziert, er sei sogar das größte ...

So setzen Sie KPIs im Recruiting erfolgreich um kpis-im-recruiting
So setzen Sie KPIs im Recruiting erfolgreich um

Unternehmen investieren in der Regel viel Zeit und Geld in ihre Recruiting-Aktivitäten. Schließlich möchte sich jeder als Top-Arbeitgeber präsentieren und so die richtigen Kandidat_innen für sich gewinnen. Um sicherstellen, ...

New Normal: Darauf legen Bewerber_innen jetzt Wert new-normal
New Normal: Darauf legen Bewerber_innen jetzt Wert

Die Corona-Pandemie hat sowohl bei Unternehmen als auch bei Bewerber_innen zu einem Wertewandel geführt. XING, Prescreen und kununu haben deshalb nachgefragt: Worauf legen Bewerber_innen im New Normal jetzt Wert? ...

Erfolgreiches Employer Branding mit der eigenen Karriereseite Die-optimale-Karriereseite
Erfolgreiches Employer Branding mit der eigenen Karriereseite

Auch in Zeiten von LinkedIn, XING, Facebook und Co. bildet die Karriereseite für einen Großteil der Bewerber_innen die erste Anlaufstelle für Arbeitgeberinformationen und Jobs.1 Was viele jedoch nicht wissen, ...

Infografik: Einsatzmöglichkeiten von Social Media Recruiting und Active Sourcing Teaser Image Infografik Social Media Recruiting
Infografik: Einsatzmöglichkeiten von Social Media Recruiting und Active Sourcing

Es ist kein Geheimnis, dass Social Media Recruiting eine gute Möglichkeit bietet, passende Bewerber_innen für Ihr Unternehmen zu finden. Vor allem Active Sourcing hat sich als erfolgreiche Recruiter-Disziplin etabliert. ...

Google for Jobs in Österreich – die neue Suchfunktion auf dem Prüfstand google-for-jobs-österreich
Google for Jobs in Österreich – die neue Suchfunktion auf dem Prüfstand

Das Warten hat ein Ende! Nachdem Google for Jobs 2019 bereits in Deutschland und der Schweiz eingeführt wurde, können nun auch Recruiter in Österreich von der Jobsuche auf Google ...

So setzen Sie Mitarbeiter_innen als Brand Ambassador ein brand-ambassador
So setzen Sie Mitarbeiter_innen als Brand Ambassador ein

Viele Unternehmen investieren ein Vermögen in teure Recruiting-Maßnahmen, um sich als Top-Arbeitgeber zu präsentieren und durch eine starke Employer Brand zu überzeugen. Dabei vergessen sie jedoch, dass eine der ...


SIE BENÖTIGEN UNTERSTÜTZUNG?

Unser Team freut sich auf Ihre Anfragen!

Jetzt kontaktieren

Kontakt